Der Ehrenrat, das vereinsinterne Schiedsgericht des FC Schalke 04, hat vor Gericht die nächste Niederlage einstecken müssen. Schon wieder hat das Landgericht Essen die unrechtmäßige Suspendierung eines Mitglieds des Aufsichtsrats durch den Ehrenrat einkassiert.

Was war geschehen?

Wir erinnern uns noch an die letztjährige Schalker Mitgliederversammlung: Im Vorfeld hatte es kontrovers geführte Debatten um den Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies gegeben. Im Aufsichtsratsgremium hatte Dr. Andreas Horn dem Vorsitzenden Tönnies ein Gespräch angeboten, nachdem dieser dazu aufgefordert hatte, ihm eine „goldene Brücke“ zu bauen – und ihm einen geordneten Rückzug zu ermöglichen. Tönnies wertete dies als Affront, auf der Mitgliederversammlung schlug er seine Hand aus und er ließ ein Ehrenratsverfahren gegen Horn einleiten.

Weitere Details dazu siehe hier.

Der Ehrenrat ermittelte sodann gegen Dr. Horn und suspendierte ihn Ende Februar für zwölf Monate. Dr. Horn klagte gegen seine Suspendierung und gestern fand dazu die Gerichtsverhandlung am Landgericht Essen statt. Aufgedeckt wurden dabei verschiedene Verfahrensfehler des Ehrenrats.

Diesen Beitrag weiterlesen »

„Ein Großaufgebot der Polizei sowie der Verzicht auf Provokationen sollen dabei helfen, die als Hochrisikospiel eingestufte Partie reibungslos über die Bühne zu bringen.“ So schreibt Reviersport über das anstehende Spiel gegen Saloniki.

Und das heißt: Schuld an den Ausschreitungen sollen wieder einmal die Fans sein. Doch das bleibt – es gibt keinen Wahrheitsbeweis durch ständiges Wiederholen – in der Sache falsch. Wie selbst die Polizei zugeben musste, ist das Zeigen einer mazedonischen Ex-Flagge keine Straftat. Dennoch räumt sie nicht ein, die 87 Verletzten und die Eskalation vor drei Jahren selbst verursacht zu haben. Sondern schiebt sie mit solchen Formulierungen die Schuld den Opfern in die Schuhe. Wäre dem damaligen Einsatzleiter die deutsche Rechtslage bewusst gewesen, wäre nichts passiert.

Und es ist auch dem unverhältnismäßigen Vorgehen der Polizei vor drei Jahren zuzuschreiben, dass ein Fußballspiel nun aufgeladen und überlagert ist mit einem seit Jahren schwelenden Streit zwischen Griechenland und einem Staat, der nicht Mazedonien heißen darf, weil Griechenland das nicht will. Damals hing eine Fahne eine ganze Halbzeit, ohne dass Medien oder Gästefans sie zur Kenntnis genommen hätten. Vermutlich wäre das auch genau so geblieben. Gerade aber durch den Polizeieinsatz wurde ein Fußballspiel überhaupt erst zu einem Forum, bei dem eine Fahne, ein Banner oder anderes eine Aufmerksamkeit „genießt“, die anders wohl nie zustande gekommen wäre.

Nein, schuld sind hier nicht die Fans.

“Wir alle, auch die Polizei Gelsenkirchen, wollen die Bilder von 2013 nicht wieder sehen.” So sprach Polizeipräsidentin Anne Heselhaus-Schröer über das vergangene und zukünftige Saloniki-Spiel. Doch Fehler räumt die Polizei bis heute nicht ein.

“Fest steht, dass die umstrittene Fahne keinen Straftatbestand erfüllt. Dies müssen alle zur Kenntnis nehmen und berücksichtigen.” So twitterte die Polizei Gelsenkirchen von der Pressekonferenz. Das lässt hoffen, man habe dazugelernt.

Doch eine Entschuldigung für die 87 Verletzten, von der ist nichts zu lesen oder zu hören. Ganz im Gegenteil: “Der gemeinsame Appell von Verein und Polizei an alle Fans lautet daher, sich friedlich zu verhalten, die eigene Mannschaft lautstark und emotional zu unterstützen, sich dabei nicht provozieren zu lassen und auch selbst nicht zu provozieren sowie sich von Gewalt und Gewalttätern zu distanzieren.” Also sind doch die Fans schuld, die – siehe oben – doch eigentlich gar nichts falsch gemacht haben.

Und noch eines oben drauf: “Eins muss klar sein, wir werden keine rechtsfreien Räume dulden …” – welche denn? Es gab doch keine strafbare Handlung? “… und gegen Strafttäter konsequent einschreiten.” Nur dann nicht, wenn die Straftäter aus den eigenen Reihen stammen. Alle Verfahren gegen Polizisten wurden kurzerhand und rasch eingestellt.

Wir haben auch einen Appell – an die Polizei: Geben Sie endlich zu, dass es – im Rückblick – eine falsche Entscheidung gewesen ist, wegen eines Stücks nicht rechtswidrigen roten Stoffs einen Block zu stürmen und mit “Multifunktionsstöcken” und Pfefferspray unterschiedslos auf Kinder und Jugendliche loszugehen. Ach ja, wie sagen Sie selbst? “Gewalt gegen Frauen, Kinder und Familien ist nicht tolerierbar.” Zugegeben, in einem anderen Zusammenhang, aber in der gleichen Pressekonferenz.

Entschuldigen Sie sich drei Jahre nach einem menschlichem Fehler mit tragischen Folgen bei den Opfern dieses Einsatzes, denn auch wir sind Ihrer Meinung: “Gewalt hat im Stadion nichts zu suchen.” Auch nicht durch die Polizei.

Das Schalker Heimspiel gegen Paok wurde, wie heute bekannt gegeben wurde, um einen Tag vorverlegt und auch noch auf 18 Uhr terminiert. Das nährt naturgemäß im Netz Verschwörungstheorien.

Das gehe auf die Polizei zurück, so wird vermutet. Man wolle so verhindern, dass Griechen anreisen – die ihre Reise vermutlich schon gebucht haben dürften. Verein und UEFA haben da mitgespielt – mussten sie ja, wenn man bedenkt, wie schwer es sonst ist, ein Spiel verlegen zu lassen. Die UEFA hat sich bisher gegen so etwas immer gesperrt.

Natürlich ist es nicht verwerflich – ganz im Gegenteil -, dass Polizei und Verein sich Gedanken machen, wie sie die Zuschauer schützen sollen. Da darf auch eine Spielverlegung nicht tabu sein. Doch warum erst jetzt? Die Weiberfastnacht gibt es schon seit 1824 und findet immer am Donnerstag vor Aschermittwoch statt. Anders gesagt: Der Termin ist seit fast 200 Jahren bekannt und sollte eigentlich niemanden überraschen.

Doch warum auch noch 18 Uhr? Ein ungewohnter Zeitpunkt in einer Fußballwelt, wo die Fußballverbände und die Fernsehsender eigens Personal abstellen, dass ja zur gleichen Sekunde angepfiffen wird – so lange er nicht von Außen Grünes Licht bekommen hat, darf ein Schiedsrichter gar nicht anpfeifen. Die Uhrzeit wurde nicht erklärt.

Hinzu kommt: Die Verletzungen, die die Fans in der zu schützenden Kurve erlitten, wurden nicht durch die griechischen Fans verursacht, sondern von den drei Kohorten, die mit grenzwertiger Schlagkraft in die Nordkurve stürmten. Dass die Anhänger aus Paok die Nordkurve hätten stürmen wollen, gehört in das Reich der Mythen, wie sich herausgestellt hat, egal, wie es in dem Moment dem Einsatzleiter dargestellt hat. Ein weiterer Grund, sich über die Kurzfristigkeit der Maßnahme zu wundern.

Zwei Dinge zeigt dieses schwach bis gar nicht erklärte Vorgehen aber deutlich: Zum einen, dass es von Seiten der Polizei immer noch keine Fehlerkultur gibt oder gar das Vermögen, ihren Fehler auch nach drei Jahren einzugestehen. Zum anderen, dass der Verein entgegen aller Beteuerungen weiterhin willig alles tut, was die Polizei verlangt – egal, ob es gut begründet und sinnvoll ist oder nicht.

(ae) Am Ende der gestrigen Verhandlung gab es zumindest ein glückliches Gesicht im Sitzungssaal A 140 im Landgericht Bochum. Ender Ulupinar zeigte sich zufrieden, denn seine Chancen im Streit gegen den Schalker Fanclub Verband (SFCV) – dessen Aufsichtsratsvorsitzender er bis vor kurzem noch war, bevor er sein Amt im Zwist niederlegte – waren gestiegen. Es folgt ein Augenzeugenbericht von Astrid, die der öffentlichen Verhandlung beiwohnte und die Dinge aus ihrer Sicht schildert.

Doch um was ging es eigentlich in diesem Verfahren? Es ist lange nicht das einzige Streitthema zwischen Ender Ulupinar und dem SFCV, die Auseinandersetzung wird aktuell in mehreren Verfahren und auch staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen geführt. Diesmal aber ging es um die Nutzung der beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragenen bzw. noch einzutragenden Marken des SFCV. Ender Ulupinar, selbst Geschäftsführer der Schalke Fan Feld GmbH, hatte im August 2012 einen Lizenzvertrag mit dem SFCV geschlossen, der der Schalke Fan Feld GmbH u.a. die werbetechnische Nutzung des SFCV-Logos gestattete.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Um die Geschichte des “Glubbs” zu verfassen, hätte der Culturcon-Verlag niemand besseres finden können als Benjamin Wolf: Er macht einfach alles richtig.

Naja, fast, aber das ist eine Kleinigkeit: die Interviews. Der Leser kann sich nur aus den Fragen und Antworten erschließen, warum Benjamin diesen oder jenen zu einem Thema befragt hat. Und leider gelingt das auch nicht immer. Da hätte eine kurze Einleitung geholfen. Aber sei es drum: Lesenswert, interessant, informativ sind die Interviews allemal.

Während andere Autoren in Vereinshistorien gerne über Seiten einzelne Spiele schildern – böse Zungen behaupten, weil sie sonst die vielen Seiten zwischen den Buchdeckeln nicht füllen könnten -, konzentriert sich Benjamin auf die wesentlichen Züge, die die Geschichte des FCN in der Folge prägen sollten. Er, der Herausgeber des Fanzines “Daggl”, ist ein intimer Kenner der Fanszene – und das ist es, was dem Buch so gut tut. Bei der Clubgeschichte vergisst er nämlich den “12. Mann” keineswegs, ganz im Gegenteil: Die Fanszene mit beispielsweise der Seerose, Hooligans und Ultras beleuchtet er ausführlich und kenntnisreich.

Diesen Beitrag weiterlesen »