Gestern hat ein aufsehenerregender Prozess am Landgericht Essen stattgefunden. Ein Schalker Aufsichtsrat klagte gegen seine Suspendierung durch den Ehrenrat. Danach gab es einige Presseberichte u.a. in der Welt (Link zum Artikel). User „Pogue Mahone“ war vor Ort und er hat einen Leserbrief auf den Welt-Artikel verfasst.

Sehr geehrter Herr Müller,

bevor ich zum Inhaltlichen Ihres Artikels komme, gestatten Sie mir bitte zwei Anmerkungen:

1) Sie sprechen von einer „bemitleidenswerten Richterin“, die sich am Landgericht Essen mit der Klage des Herrn Hefer beschäftigen „muss“. Wissen Sie, welchen Richter ich für wirklich bemitleidenswert halte? Das ist der Richter im NSU-Prozess, der immer wieder vom Verfassungsschutz nicht die ganze Wahrheit erfährt und von dem wichtige Beweismittel geschreddert worden sind. Der ist bemitleidenswert, aber sicher nicht eine Richterin, die sich 1,5 Stunden mit dieser Sache befasst und auch noch am gleichen Tag ein Urteil fällen darf. Mit Ihrer Formulierung verlassen Sie den Boden des anständigen Journalismus.

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Wir haben an dieser Stelle schon so manches Mal die schlechte Pressearbeit in Deutschland kritisiert und gerade nach dem Heimspiel gegen den SC Paderborn gab es wieder Analysen über Analysen, warum wir Fans so reagiert haben und was die wahren Probleme auf Schalke sind. Viele Artikel hatten dabei leider das Niveau eines Doppelpass-Frühschoppens. Aber gerade aus diesem Grund wollen wir euch an dieser Stelle auf einen wirklich sehr lesenswerten Artikels hinweisen, der heute auf 11freunde.de veröffentlicht wurde. Dieser beleuchtet die gesamte Situation sehr gut und sollte vielleicht auch von dem ein oder anderen in unserem Verein gelesen werden.

Hier geht es zum Artikel: Manchmal gewinnst du allein – 11freunde.de

Nachdem das Wochenende mit dem sechsten sieglosen Spiel in Folge eingeläutet wurde, gab es heute für viele Schalker die nächste Überraschng. In einem Artikel der FAZ wird davon gesprochen, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bei einem Treffen mit den Bezirksleitern des SFCV für eine Ausgliederung der Profi-Abteilung des FC Schalke 04 geworben hat. Nicht nur das, laut diesem Bericht sollen die Bezirksleiter auch bei den Fan-Clubs für eine Ausgliederung werben. Mittlerweile hat der SFCV eine Stellungnahme veröffentlicht in der den Aussagen des Artikels wiedersprochen wird.

Da der FC Schalke 04 sich auf seiner offiziellen Seite auch klar positioniert hat, sollte man diesen Pressebericht sicherlich mit Vorsicht genießen. Allerdings ist es verwunderlich, warum das Thema Ausgliederung immer wieder rund um den Verein auftaucht, wenn doch alle Beteiligten zu der Rechtsform „eingetragener Verein“ stehen. Der erste Punkt unseres Leitbildes lautet „Der Name unseres Vereins ist und bleibt Fußball-Club Gelsenkirchen-Schalke 04 e.V. Er ist und bleibt ein Verein im Sinne des deutschen Vereinsrechts.“ Daran soll und darf sich nichts ändern! Deshalb sollte man die Kraft nicht mit sinnlosen Gedankenexperimenten bzgl. Ausgliederung verschwenden, sondern sich darauf konzentrieren, den Verein gut aufzustellen.

Hier findet ihr die Stellungnahme des Vereins: schalke04.de Hier findet ihr den Artikel der FAZ: faz.net Hier findet ihr die Stellungnahme des SFCV: sfcv.de

In den letzten Tagen wurde Seitens der Polizei erneut beklagt, dass die Aggressivität von Fußballfans ihnen gegenüber erneut angestiegen ist. Insbesondere an Bahnhöfen und in Zügen würde die Situation vermehrt eskalieren. Wie einseitig diese mediale Berichterstattung und Betrachtung offenbar ist, zeigt dieser offene Brief von Heino Hassler (Fußball-Fanprojekt 1. FC Nürnberg) an den sächsischen Innenminister Ulbrig bezüglich der Vorfälle von Auswärtsspiel des Clubs in Leipzig.

Es wäre wünschenswert, wenn hier endlich mal aus dem Fehlverhalten der Polizei Konsequenzen gezogen werden würden. Leider ist diese Hoffnung nach den Erfahrungen bei ähnlichen Ereignissen nicht gerade groß und es bleibt die Befürchtung, dass die Folgen dieser Ereignissen auch nur auf den Rücken der Fans ausgetragen werden.

Den offenen Brief mit der Schilderung der Ereignisse findet ihr hier: Fanprojekt Nürnberg

In den letzten Wochen hatte die BILD-Zeitung neben ihrer Hetze gegen Griechenland noch ein weiteres großes Thema, nämlich Ultras. Natürlich ging es bei den Berichten nicht um die Stimmung in den Stadien oder den farbenfrohen Choreos, es ging in jedem Artikel nur um das Thema Gewalt. Nachdem Gerichtsurteile breit getreten wurden, irgendwelche angeblichen Kodizes und natürlich eine Tabelle der schlimmsten Vereine veröffentlicht wurden, hat die Sport-Bild dem ganzen noch die Krone aufgesetzt mit ihrem Artikel „Terror aus der Kurve“. Wie der Titel des Artikels vermuten lässt, handelte es sich dabei nicht um einen objektiven und vernünftigen Artikel.

Eine ausführliche Aufarbeitung des Artikels findet ihr hier: turus.net

Dass auch gerade die Verwendung des Begriffs „Terror“ in der aktuellen weltpolitischen Lage vielleicht doch etwas geschmacklos ist, sollte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben. Sicherlich handelt es sich dabei um das Stilmittel der Übertreibug für das ja gerade die BILD-Zeitung bekannt ist, aber ob man wirklich zu diesem Stilmittel in dieser Form greifen muss, ist doch mehr als fraglich.

Einen ausführlichen Text zu diesem Thema findet ihr auch hier: yabasta.blogsport.de

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die BILD-Zeitung sicherlich kein geeignetes Medium ist, um sich über Fankultur zu informieren. Geht lieber ins Stadion, schaut euch die Fankultur selbst an und sucht Gespräche. Das bringt euch sicherlich deutlich mehr.

Vielen Schalkern dürfte der desaströse Polizeieinsatz beim Saloniki-Spiel vor über einem Jahr noch in schlechter Erinnerung sein. Er war ein trauriges Beispiel für die absolute Notwendigkeit einer Kennzeichnungspflicht für Polizisten, die sich in Deutschland leider nur sehr schleppend durchsetzt. Anfang dieser Woche hat der Innenminister Baden-Württembergs jedoch bestätigt, die im Koalitionsvertrag festgeschriebene anonymisierte Kennzeichnung in seinem Land einführen zu wollen. Grund dafür seien 5 weitere Länder, in denen diese bereits eingeführt ist, und 3 weitere (darunter NRW), die sich zumindest damit beschäftigen.

Man kann also hoffen, dass dieser Trend sich gegen den Widerstand der Polizeigewerkschaften auf andere Länder überträgt und eine Kennzeichnung zum bundesweiten Standard wird, sodass Opfern von Polizeigewalt Gerechtigkeit widerfährt und die Täter bestraft werden können.

Quelle: www.swr.de