Nach der Kneipentour letzte Woche durch Buer, wenden wir uns heute dem Kulturgut zu. Unmittelbar in der Nähe des Schalker Feldes steht eines der letzten erhaltenen Schlösser unserer Stadt:

Schloss Berge

Der Berger See dürfte jedem Schalker bekannt sein, schließlich fährt man von der A2 Ausfahrt Gelsenkirchen-Buer direkt daran vorbei und auch bei der Anreise mit der Straßenbahn aus nördlicher Richtung passiert man das 1930 aufgestaute Gewässer. Viele Gelsenkirchener nutzen das hiesige Naherholungsgebiet (ca. 73 Hektar) zum Joggen, zum vermeintlich spießigen Spaziergang mit der
neuen Freundin oder der Familie, im schlimmeren Fall den erwähnten See zum romantischen Paddelboot- Ausflug oder im wiederum weniger spießigen Fall die vielen Rasenflächen zum sonntäglichen Pölen mit den Kollegen inklusive anschließendem Grillen. Und wahrscheinlich ist auch der ein oder andere während des jährlichen Sommerfestivals schonmal am Schloss oder zumindest vorbeigetorkelt. Um die Schnittmenge zwischen allen genannten Parteien noch ein wenig zu vergrößern bzw. um auch diese zu bedienen, die sich bisher noch nicht wiedergefunden haben, finden nun also auch noch jene Erwähnung, die im Abendbereich die Adenauerallee hoch und runterfahren um Gelsenkirchens bekanntesten Straßenstrich mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Gibt es diesbezüglich eigentlich einen Zusammenhang zum französischen Garten des Schlosses?

Wie Ihr nun festgestellt habt: Das Schloss kennt in Gelsenkirchen eigentlich jeder. Doch wer von Euch war schon mal im Inneren? Sicher, einige von Euch werden im dort beheimateten Restaurant gegessen haben oder mal zu Gast bei einer Hochzeit gewesen sein. Aber der Großteil dürfte es wohl nur von außen kennen und somit nicht viel über die Geschichtewissen, wie es überhaupt dort hingekommen ist.

Eins vorweg: Charly Neumann hat es damals nicht gebaut, er hat nur das Restaurant übernommen. Günther Eichberg hat es auch nicht gebaut, er hat nur beim Charly gegessen. Und Felix Magath? Ach, lassen wir das.

Aber eigentlich kommt es jetzt noch schlimmer. Unser Schloss war nicht immer ein Schloss, erbaut wurde es seinerzeit als Wasserburg. Das Wasser gibt es übrigens noch immer, dies nur als Hinweis an jene, die sich noch nie gefragt haben, warum es vor dem Eingang eine kleine Brücke gibt. Zum Schloss wurde die Burg erst im 16. Jahrhundert, die sich im Besitz der Familie von Berge befand und fungierte als Schutzwall für den heutigen Stadtteil Erle. In jedem Falle lässt sich heute nicht mit Sicherheit sagen, bis wann die Geschichte des Schlosses zurückreicht, als älteste bekannte Zahl wird das Jahr 1248 genannt. Aufgrund verschiedener familiären Verflechtungen und Verkäufen gelangte das Schloss schließlich in den Familienbesitz der von Westerholt-Gysenbergs, welche es im Jahre 1924 für 1,4 Millionen Goldmark an die Stadt Buer verkaufte. Diese richtete dort eine Volkserholungsstätte mit Gast- und Wirtschaftsräumen ein, seither besteht das Schloss quasi in der Form wie wir es alle kennen, nur nennen wir es Restaurant mit angeschlossenem Hotel oder umgekehrt. Bei schönem Wetter, lohnt sich ein kleiner Abstecher vor’m Heimspiel und Ihr könnt das Gebäude mit seinen drei Flügeln und dem Mansardendach, das seit 1988 unter Denkmalschutz steht, näher unter die Lupe nehmen.Wir verraten auch nichts von Eurem spießigen Spaziergang durch die hübsch hergerichteten Grünanlagen.