Bevor wir im folgenden Text endgültig das Kapitel „Buer“ abschließen und auf weitere „Sehenswürdigkeiten“ eingehen, wollen wir ein wenig weiter ausholen. Denn passend zu der in den letzten Wochen erwähnten Frotzeleien zwischen Bueranern und Gelsenkirchenern, eröffnen wir nun mehr Runde zwei in „Meine höllischen Nachbarn“ und schauen ein paar Meter in Richtung Osten. Und zwar nach Westerholt, das offiziell zu Herten (Kreis Recklinghausen) gehört, doch ähnlich wie der Bueraner hat auch der Westerholter so seine Eigenart. Man hört es nicht gern, dass man zu Herten gehört, dann doch lieber nach Gelsenkirchen, was nicht zuletzt durch die gleiche Telefonvorwahl manifestiert wird. Viele Westerholter gehen auf die buerschen Gymnasien, kaufen hier ein und treiben sich am Wochenende in den hiesigen Kneipen herum anstatt in Herten auszugehen.

Zwischen den beiden Orten befinden sich nicht nur ein Golfplatz sowie das Areal der ehemaligen Kinderklinik, sondern auch jede Menge Wald- und Grünflächen, in Erinnerung bleibt allerdings der Löwenpark, der im Anschluss an den Hundebiss in Friedel Rauschs Allerwertesten auch Einzug in die Schalker Vereinsgeschichte fand. Als Retourkutsche auf den Vorfall in der Roten Erde patroulierte beim Rückspiel 1970 nämlich ein Raubtier anstatt der gewohnten Schäferhunde rund um das Spielfeld im Parkstadion. Im Grunde hat das heutige Gelände des Löwenparks weder etwas mit dem König der Tiere noch einem wirklichen Park zu tun, aber der Begriff hat es irgendwie über die Generationen geschafft im Gedächtnis zu bleiben. 1968 rief der Graf von Westerholt, in Anlehnung an seine Erfahrungen auf vielen Reisen, den Löwenpark ins Leben. Ein Teil des Waldgebietes wurde kurzerhand eingezäunt, 40 echte Löwen herangeschafft, eine Minigolfanlage, Kinderkarussell und Marienkäferbahn aus dem Boden gestampft – das Ganze mit angeschlossener Gastronomie und fertig war der Freizeitpark vor der Haustür. Leider erwies sich das Projekt nicht als sehr tierfreundlich, sodass sich immer weniger Menschen auf die Autosafari begaben und etwa 20 Jahre nach der Gründung hatte es sich für den Grafen und seinen Park ausgebrüllt. Positiv ist in diesem Kontext zu erwähnen, dass durch den Löwenpark damals der Ausbau der A52 durch Gelsenkirchen verhindert werden konnte und Minigolf kann dort immer noch gespielt werden.

SSV Buer 07/28:
Unweit des Löwenparks befindet sich die Sportanlage „Löchterheide“, seit 1920, als man das Gelände vom bereits erwähnten Grafen zu Westerholt erhalten hatte, die Heimat des fußballerischen Aushängeschildes. Immerhin bis in die Verbandsliga (Aufstieg 2002/03) schafften es die Bueraner, am 17.10.1907 als BV Buer 07 von 26 Mitgliedern gegründet, nach einer Fusion mit Westfalia fungierten sie kurzzeitig als FC Buer, seit dem Zusammenschluss 1964 mit DJK Sportfreunde lautet der offizielle Name SSV Buer 07/28, womit beide Gründungsjahre abgedeckt sind. Die Zeremonie fand im Hotel „zur Post“ statt, das immer noch existiert und am Goldbergplatz, zumindest früher, einigermaßen günstige Übernachtungsmöglichkeiten für auswärtige Schalker bot. Eingeweiht wurde das SSV Stadion mit einem Kick gegen Preußen Duisburg, ab 1925 fanden gar 20.000 Zuschauer Platz, heutzutage sind es noch 6.000, darunter ca. 600 auf den ehemaligen Sitzen aus der Südkurve des Parkstadions. Für Groundhopper bietet die Anlage kaum Highlights, da gibt es im Stadtgebiet interessantere Plätze. Nach Abstiegen und der Reform im Amateurbereich kicken die Hausherren, früher mal gecoacht von Matthias Herget oder dem Sprecher der Gelsenkirchener Polizei Konrad Kordts, siebtklassig und statt Westfalia Herne oder RW Lüdenscheid geht es aktuell gegen Fortuna Herne und den VfB Habinghorst. Vor ein paar Jahren gab es sogar so etwas wie eine ultraorientierten Fanclub Namens „Red Bulls Buer“. Nachdem die Kids allerdings aufgrund von Ferienfreizeiten Heimspiele verpassten und dies im Internet verkündeten, schienen die Jugendkicker komplett die Lust an der Unterstützung des „Local Teams“ verloren zu haben. Sachdienliche Hinweise, ähnlich wie bei Aktenzeichen XY, bitte an die Redaktion!

Schauburg:
Das letzte verbliebene Kino in der buerschen Innenstadt ist der Schauburg Filmpalast, er liegt auf der Horster Straße direkt gegenüber des 1984 eröffneten Kunstmuseums. In direkter Nachbarschaft zu Deichmann hätten wir auch schreiben können, aber das mit dem Museum hört sich deutlich schöner an, oder? Außerdem passt diese Beschreibung viel besser zur Schauburg, denn sie ist eines der letzten klassischen Kinos in Deutschland und steht heute sogar – teilweise – unter Denkmalschutz. Sicherlich hat das Kino seit dem Bau im Jahre 1929 zahlreiche Renovierungen und Modernisierungen hinter sich gebracht, doch Baustil und Charakter vergangener Tage wurden bewusst erhalten. So versprüht die Schauburg heute noch ein ganz besonderes Flair. Deutlich wird dies jedem Besucher bereits im großen Foyer des Filmpalasts, in welchem sich neben den klassischen Filmplakatschaufenstern noch immer ein altes Kassenhäuschen befindet. Hier ist jeder Besuch also auch immer ein stückweit eine Reise in die Vergangenheit, wenngleich Technik und Ausstattung der eigentlichen Kinosäle natürlich den aktuellen Maßstäben entsprechen. So bietet die Schauburg einen herrlichen Gegenpol zu den riesigen Konsumtempeln und Kinokomplexen, ein Besuch vor Ort wird hiermit also ausdrücklich empfohlen! Früher fanden hier übrigens neben den klassischen Filmaufführungen regelmäßig Theater- und Musikveranstaltungen statt. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Kinoleinwand im großen Kino des Erdgeschosses bis vor kurzer Zeit noch auf einer großen Bühne installiert war. Ebenso befanden sich hinter der Bühne noch der ehemalige Umkleideraum und im Saal selbst ein Orchestergraben. Insgesamt verfügt die Schauburg über drei Kinosäle und mit der Premiere des Kultfilms „Fussball ist unser Leben“ ist der Bogen zur königsblauen Historie geschlagen.

Sankt Urbanus/Rathaus Buer:
Der Dom, also die Propsteikirche St. Urbanus, ist die katholische Hauptkirche von Buer und erinnert bis heute beim täglichen Spaziergang über die Hochstraße an den zweiten Weltkrieg. Warum? Der Kirche fehlt schlichtweg die Spitze, welche damals durch Bombenangriffe zerstört wurde und seither auch nicht wieder aufgebaut wurde. Vielleicht ist die Kirche gerade deshalb zu einem der Wahrzeichen Buers der jüngeren Geschichte geworden, in jedem Falle haben die Einheimischen ihre helmlose Kirche lieben gelernt, selbst wenn es, wie wohl überall, mittlerweile nur zur Christmette an Weihnachten so richtig voll wird. Hier platzt der Dom dann aber auch schon eine Dreiviertelstunde vor Beginn des Heiligen Messe aus allen Nähten. Bis vor einigen Jahren versammelten sich nach der Schule regelmäßig zahlreiche Skater und Rollerblader auf der Domplatte, dank jahrelanger Dauerbaustelle hat sich die Szene mittlerweile auf andere Orte verteilt. Stattdessen finden sich hier nun ein Supermarkt sowie ein Seniorenheim, das Ergebnis eines gut durchdachten Revitalisierungsplan der Domplatte der Stadt Gelsenkirchen, nachdem sich, rund um den Dom, nach und nach alle Einzelhändler verabschiedet hatten. Nun denn…

Über die Besonderheit, das Buer ein eigenes Rathaus hat, berichteten wir ja bereits, weshalb darauf an dieser Stelle nicht weiter eingegangen wird, wer es vergessen hat, kramt den vorletzten Blauen Brief hervor. Stattdessen möchten wir Euch nur ans Herz legen, dass Ihr zwei Termine auf keinen Fall verpassen solltet. Für den ersten fragt Ihr mal beim Heimatverein nach oder werft regelmäßig einen Blick in den Lokalteil Eurer Tageszeitung – der WAZ im besten Fall – und achtet darauf, wann es wieder einen Turmaufstieg gibt! Der Blick über Buer ist sensationell. Pflichtprogramm! Und der zweite Termin steht schon quasi vor der Tür. An Heiligabend spielen jedes Jahr gegen 15:00 Uhr die Turmbläser ein kleines Konzert. Zwischen Frühschoppen und der Christvesper in der Stephanuskirche ein Termin, der gegebenenfalls den Weg in Eure Kalender findet. Das Rathaus ist für viele Bueraner das Wahrzeichen der einstigen Freiheit. Mit seiner unverwechselbaren Architektur thront die Kupferhaube des Turmes in knapp 65 Meter Höhe quasi über den Dächern der Stadt und ist der zentrale Punkt in Buer. Seit 1988 steht das Gebäude unter Denkmalschutz und in zwei Jahren kann das 100-jährige Jubiläum gefeiert werden. Und feiern kann man in Buer…

Soweit der dritte und vorerst letzte Teil über das „Düsseldorf von Gelsenkirchen“, uns ist bewusst, dass wahrscheinlich noch zig weitere Punkte und Geschichten vorgestellt werden können. Über Anregungen, Tipps und Feedback freuen wir uns ganz besonders, nutzt dafür bitte die E-Mail-Adresse im Impressum!