1. Kannst du dich kurz vorstellen?
Ja, kann ich.
Mein Name ist Günther Reipen, ich bin 51 Jahre alt, glücklich verheiratet und kinderlos. Ich bin beschäftigt beim Land Nordrhein-Westfalen. Mein Privatleben dreht sich zum größten Teil um Schalke, um Heim- und Auswärtsspiele. Daneben gibt’s noch Freunde, gute Musik, gute Bücher und Kreta, meine zweite Heimat. Zu meinen Schalker Daten:
Fan: seit 1977
Mitglied: seit 1992
Aktives Mitglied: seit 2006, meinem Antrag auf Einführung der Ehrenkabine
Engagiertes Mitglied: seit 2011 in der Leitbildkommission
Gewähltes Mitglied: seit 2011 im Wahlausschuss (stv. Vorsitzender)
Ich gehöre aus Überzeugung keiner Fanorganisation an.
Obwohl ich sowohl die Arbeit der Fanclubs, der UGE, des SC und der Fan-Ini (um hier nur einige zu nennen) hoch schätze, möchte ich mir meine Unabhängigkeit bewahren.

2. Warum hast du dich für den Wahlausschuss beworben?
Die schwierigste aller Fragen. Ich mache den Job jetzt seit sechs Jahren. Was im letzten Jahr passiert ist, hat mich fassungslos gemacht. Die persönlichen Anfeindungen haben jeden mir denkbaren Rahmen gesprengt. Ich war entsetzt, nein ich bin es immer noch, mit welcher Hemmungslosigkeit alle Grundsätze des Leitbilds mit Füßen getreten wurden.
Nach reiflicher Überlegung und dem ständigen Schwanken zwischen „schmeiß die Brocken hin“ und „jetzt erst recht“ habe ich mich für letzteres entschieden.

Ich habe nicht in der Leitbildkommission gearbeitet, ich habe nicht den Verein durch viele dunkle Jahre begleitet, um gerade jetzt aufzugeben.

Gerade jetzt benötigt der FC Schalke 04 Menschen, die sich nicht verbiegen lassen und nicht entweder die Revolution oder aber das Königreich Rheda ausrufen.

3. Warum sollten Schalker ausgerechnet dich wählen?
Weil ich Gelegenheit hatte, sechs Jahre lang das „System Wahlausschuss“ aus nächster Nähe kennenzulernen, seine Stärken und Schwächen zu erkennen und immer noch (oder besser wieder) hochmotiviert bin, die nächste Wahlperiode besser zu gestalten, als die abgelaufene.

Weil ich aus Fehlern der Vergangenheit lerne.

Weil mich der Vorstand für zu kritisch hält, manche anderen aber für zu kompromissbereit.

Weil ich weiter aktiv darauf hinarbeiten werde, dass Politik in diesem Gremium keine Rolle spielt.
Weil ich diesen Verein und seine Pappenheimer mittlerweile sehr gut kenne und mich nicht einschüchtern lasse.

Weil ich auch im größten Frust keine Interna preisgebe.

Weil ich unabhängig bin und bleibe.

Weil ich mit jedem zusammenarbeite, den die Mitglieder gewählt haben, ob mir seine Nase nun passt oder nicht.

4. Was macht für dich einen guten Aufsichtsratskandidaten aus?
Zunächst einmal muss er (oder „SIE“, das gilt für alle weiteren Sätze, denn warum sollte es nur ein „ER“ sein) etwas besitzen, was Schalke aktuell braucht.
Eine Kompetenz, die gerade fehlt, eine Fähigkeit, die sonst niemand hat. Das können Fachkompetenzen aber auch „soziale“ Kompetenzen sein.

Dann muss er auf deutsch gesagt „einen Arsch in der Hose“ haben.

Machen wir uns nichts vor:
Wir haben einen Aufsichtsratsvorsitzenden, der ein milliardenschweres Unternehmen leitet und durch und durch ein „Alphatier“ ist. Das ist nicht abwertend zu verstehen. Aber um ein „Gremium“ zu verstärken, muss der Kandidat ZWEI Dinge können:

Kampfbereit für die eigene Meinung sein. Sich nicht einschüchtern lassen.
Kompromissbereit für den Verein sein. Nicht seine Meinung über alle anderen stellen.

Drittens muss der Kandidat den Kosmos Schalke verstehen und lieben. Oder in abgeschwächter Form: Er muss die Liebe der Mitglieder zu ihrem Verein verstehen und nachvollziehen können.

5. Wie beurteilst du die Arbeit des Aufsichtsrats in den letzten Jahren?
Abgesehen davon dass der AR-Vorsitzende sich in den Medien tatsächlich zurückgehalten hat, sehr schwach.
Ein Aufsichtsrat, der Meinungsverschiedenheiten via Ehrenrat an ordentliche Gerichte überträgt, um dort die Mehrheitsmeinung durchzuboxen hat nicht verstanden, was seine Aufgabe ist.

AR-Mitglied auf Schalke zu sein heißt für mich auch eine gewisse Demut zu besitzen.

Die sitzen da nicht, um Ihre Visitenkarte anzureichern, sondern um dem FC Schalke 04 zu dienen. Das mit dem Dienen haben einige noch immer nicht inhaliert.

6. Wie beurteilst du die Arbeit des Wahlausschusses in den letzten Jahren?
Wir haben vor zwei Jahren den Fehler gemacht, die Qualität der Bewerber höher einzustufen, als die Tatsache, dass die Mitglieder für sich selbst reklamieren, bereits gewählte Kandidaten abzuwählen.
Diesen Fehler haben wir korrigiert.
Wir haben sogar dem Vorstand einen Antrag angeboten, in der Satzung zu verankern, dass Kandidaten, die von der Mitgliederversammlung bereits in den AR gewählt wurden, nicht mehr durch den Wahlausschuss müssen.
Dieser Vorschlag stieß aber nicht auf Gegenliebe….

Abgesehen davon haben wir, so denke ich, das menschenmöglichste getan, um die Qualität des Aufsichtsrates zu erhöhen.
Das ist und bleibt unsere Aufgabe.

Innerhalb des Wahlausschusses gab es durchaus kontroverse Meinungen. Aber bisher ist nichts davon öffentlich geworden. Darauf bin ich stolz.

Und wir haben alle gemeinsam den „Shitstorm“ des letzten Jahres ertragen. Es hat uns eher bestärkt als geschwächt.

Nicht zuletzt durch die Kampagne des letzten Jahres werden aber immer mehr mögliche Kandidaten für den Aufsichtsrat abgeschreckt. Das habe ich in diversen persönlichen Gesprächen feststellen müssen und auch in der Anzahl der Kandidaten messen können. Es wird nicht leichter werden, Kandidaten/innen zu finden, die gleichzeitig gut sind und zusätzlich bereit, sich in den gesteuerten Medien ins Feuer zu stellen.

7. Sollte man den Wahlausschuss reformieren? Wenn ja, wie?
Das ist bereits geschehen. Im letzten Jahr wurde von der Mitgliederversammlung beschlossen, den Wahlausschuss in einem rollierenden System jährlich neu zu besetzen.


Der erneute Antrag, den andere Gremien des Vereins nun eingebracht haben, ist ein armseliger Versuch, sich das letzte bisher unabhängige und direkt gewählte Gremium unter den Nagel zu reißen. Er wird scheitern.

Sollte der Antrag trotz meines Vertrauens auf die Mitglieder des VEREINS Schalke 04 dennoch durchkommen, stehe ich für das Amt nicht mehr zur Verfügung. Feigenblatt einer Scheindemokratie zu sein, steht mir nicht.

Ich zitiere aus meiner Stellungnahme von vor drei Jahren:
„Von vornherein fest zugeordnete Sitze sollte es in KEINEM Gremium des FC Schalke 04 geben. Gerade nicht im Wahlausschuss.“

Wenn man über Reformen allgemein nachdenkt, fällt mir auf Anhieb ein anderes Gremium ein, das sich in den letzten Jahren –wohl auch aufgrund seiner Zusammensetzung und des Wahlmodus- bis auf die Knochen blamiert hat.