(ae) Am Ende der gestrigen Verhandlung gab es zumindest ein glückliches Gesicht im Sitzungssaal A 140 im Landgericht Bochum. Ender Ulupinar zeigte sich zufrieden, denn seine Chancen im Streit gegen den Schalker Fanclub Verband (SFCV) – dessen Aufsichtsratsvorsitzender er bis vor kurzem noch war, bevor er sein Amt im Zwist niederlegte – waren gestiegen. Es folgt ein Augenzeugenbericht von Astrid, die der öffentlichen Verhandlung beiwohnte und die Dinge aus ihrer Sicht schildert.

Doch um was ging es eigentlich in diesem Verfahren? Es ist lange nicht das einzige Streitthema zwischen Ender Ulupinar und dem SFCV, die Auseinandersetzung wird aktuell in mehreren Verfahren und auch staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen geführt. Diesmal aber ging es um die Nutzung der beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragenen bzw. noch einzutragenden Marken des SFCV. Ender Ulupinar, selbst Geschäftsführer der Schalke Fan Feld GmbH, hatte im August 2012 einen Lizenzvertrag mit dem SFCV geschlossen, der der Schalke Fan Feld GmbH u.a. die werbetechnische Nutzung des SFCV-Logos gestattete.

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Um die Geschichte des “Glubbs” zu verfassen, hätte der Culturcon-Verlag niemand besseres finden können als Benjamin Wolf: Er macht einfach alles richtig.

Naja, fast, aber das ist eine Kleinigkeit: die Interviews. Der Leser kann sich nur aus den Fragen und Antworten erschließen, warum Benjamin diesen oder jenen zu einem Thema befragt hat. Und leider gelingt das auch nicht immer. Da hätte eine kurze Einleitung geholfen. Aber sei es drum: Lesenswert, interessant, informativ sind die Interviews allemal.

Während andere Autoren in Vereinshistorien gerne über Seiten einzelne Spiele schildern – böse Zungen behaupten, weil sie sonst die vielen Seiten zwischen den Buchdeckeln nicht füllen könnten -, konzentriert sich Benjamin auf die wesentlichen Züge, die die Geschichte des FCN in der Folge prägen sollten. Er, der Herausgeber des Fanzines “Daggl”, ist ein intimer Kenner der Fanszene – und das ist es, was dem Buch so gut tut. Bei der Clubgeschichte vergisst er nämlich den “12. Mann” keineswegs, ganz im Gegenteil: Die Fanszene mit beispielsweise der Seerose, Hooligans und Ultras beleuchtet er ausführlich und kenntnisreich.

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Das neue Ticketsystem auf Schalke erntet Kritik: Es sei unübersichtlich, Fehler häuften sich und auch der neue Bezahldienstleister “Crefopay” ist nicht unumstritten.

Der Ticketvorverkauf ist in Schalker Kreisen schon längst als “session error day” bekannt. Noch normal und in den letzten Jahren hat Schalke das durchaus in den Griff bekommen: Die Warteschleife funktioniert leidlich, auch wenn die, die länger brauchen, um an ihre Tickets zu kommen, das anders sehen wollen. Doch durch das neue System haben sich schon hier neue Fehler ergeben: Manche Spiele standen nicht zur Verfügung, erst nach mehrmaligem neu Anklicken konnten Mitglieder die Karten auch erwerben, für die sie freigeschaltet sind. Zu diesen Probleme hat sich der Verein auf Anfrage des SCHALKE UNSER nicht geäußert.

Hatte man diese Hürden gemeistert, berichten viele Fans von weiteren beim Versuch zu bezahlen: Auf einmal war die Bezahlung per Bankeinzug nicht mehr möglich. Auch das Wechseln auf eine andere Bezahlart war ausgeschlossen; es half nur noch der Griff zum Telefonhörer, um sich in die Warteschlange zu hängen und die Karten dann doch telefonisch zu bestellen. Dabei konnten die Hotlinemitarbeiter nicht in das System eingreifen und die angefangenen Bestellungen und Probleme zu beheben; sie konnten nur einen neuen Vorgang aufmachen.

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Die dritte Variante, zu der Clemens und seine Mitstreiter von der “Bild”-Zeitung gerne greifen, ist das Argument, dass alle, die gegen ihn sind, auch gegen den Verein seien. Und überhaupt den Betrieb nur stören.

  • So beschwert er sich beispielsweise, dass Abstimmungen im Aufsichtsrat nicht mehr einstimmig verlaufen. Dazu sei zum ersten gesagt: Wenigstens stimmt der Aufsichtsrat ab. Es fallen nicht mehr alle Entscheidungen nur im so genannten “Eilausschuss”, der auch die nicht eiligen Entscheidungen durchgewunken hat. Kein Wunder – schließlich sitzen darin nur Clemens und sein Intimus Lange. Dass jetzt alle mit abstimmen dürfen, ist übrigens von der Satzung so gedacht gewesen.
  • Dazu der Fakt, dass es jetzt auch Gegenstimmen gibt – gut so, ist man geneigt zu sagen. Schließlich ist der Schalker Aufsichtsrat nicht der Parteitag der KPdSU, sondern ein Gremium, das demokratisch wirken muss (alles andere ist in Deutschland nicht möglich, wenn man unter Vereinsrecht steht). Und wir alle wissen: Wenn mehr Leute mitentscheiden, können auch mehr Leute mitdenken. Eine Entscheidung kann so nur besser werden, als wenn man alles mit sich selbst ausmacht. Vielleicht haben die “Abweichler” ja gute Gründe für ihre Entscheidung – beispielsweise die finanziellen Belastungen, die durch das “Trainer-Hopping” von Clemens entstehen?
  • Die Ultras wollen den Verein übernehmen“, es drohen “Hamburger Verhältnisse“. Nun, das ist schon insofern falsch, dass in Hamburg die Ultras die Ausgliederung der Profimannschaft nicht haben verhindern können. Um genau zu sein: Wer von “Hamburger Verhältnissen” spricht, dem sei gesagt: In Hamburg ist die Profimannschaft ausgegliedert, ein Sponsor bestimmt über das Geschehen, nicht die Mitglieder, und der Abstieg wurde auch nur knapp verhindert. An diesen Verhältnissen sind nur dort eben nicht die Ultras schuld, sondern die Vereinsführung. Und nebenbei: Die Ultras sind Vereinsmitglieder. Und damit nicht besser oder schlechter als andere Vereinsmitglieder. Wenn die eine Mehrheit zusammen bekommen sollten, dann ist auch das einfach Demokratie. Davon ab: Die wenigstens, die Clemens’ Gebaren unerträglich finden, sind Ultras. Und Ultras sind in der Regel mehr am Wohl des Vereins interessiert als daran, sich den eigenen Posten zu sichern. Eigentlich gar nicht mal so übel.

(Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2 der Serie)

Eine weitere Strategie, der man immer wieder begegnet, ist die, Clemens’ Gegner wollten ihm persönlich etwas – ziemlich dünnhäutig für jemanden, der an der eines großen Konzerns sitzt und dort Entscheidungen über viel, viel Geld trifft. Und ob aus der Luft gegriffen oder nicht: Es tut auch nichts zur Sache.

  • Gegenüber der “Bild”-Zeitung sagt Clemens über die Mitglieder des Wahlausschusses: “Da sitzen nicht unbedingt Freunde von mir.” Und es könne sein, dass die ihn (deswegen) gar nicht erst zur Aufsichtsratswahl zulassen. Nun, zum einen hat die Geschichte bewiesen: Dem war nicht so, Clemens darf kandidieren. Zum anderen aber hat Clemens damit unterstellt, dass der Wahlausschuss nicht nach pflichtgemäßen Ermessen und objektiv entscheidet, sondern sich statt von Qualifikationen von Antipathien leiten lässt. Oder um es im Vereinsrecht zu sagen: Der Vorsitzende des Vereinsorgans Aufsichtsrat unterstellt den Mitgliedern des Vereinsorgans Wahlausschuss öffentlich, ihre Arbeit schlecht zu machen. Alleine das hätte reichen müssen, dass der Ehrenrat aktiv wird. Guter Stil ist das auf jeden Fall nicht – und im Zweifel sogar vereinsschädigendes Verhalten.
  • In das gleiche Horn stießen dann noch Vorstandsmitglied Peter Peters und Ehrenpräsident Gerd Rehberg – letzterer sogar direkt auf der offiziellen Vereinsseite. In beiden Fällen versucht damit ein Vereinsorgan, die Abstimmungen eines anderen öffentlich zu beeinflussen. Peters kritisiert zudem in der Öffentlichkeit den Wahlausschuss.
  • Allen drei ist gemeinsam, dass sie den direkt von den Vereinsmitgliedern gewählten Wahlausschussmitgliedern unterstellen, dass sie ihre Entscheidung aufgrund persönlicher Animositäten statt nach der Sache und dem Willen der Mitgliederversammlung fällten. Ein Fall, in dem Kritik mehr über die Kritiker aussagt als über die Kritisierten.
  • In einem Interview im Vereinsorgan “Schalker Kreisel” bringt Clemens seine schwere Nierenerkrankung und die Aufkleber “Wir überleben dich” in einen Zusammenhang – zumindest stehen sie ohne einen Absatz dazwischen direkt hintereinander. Dabei verschweigt er, dass zwischen beiden Ereignissen ein Jahr lag. Und dass “Wir überleben dich” einfach nur eine Anspielung auf das Marketingmotto “Schalke, wir leben dich” ist.

(Hier geht es zu Teil 1 und Teil 3 der Serie)

Wenn Clemens geht, dann bricht Chaos im Verein aus und Schalke wäre pleite. So die am häufigsten angewendete Kommunikationsstrategie. Wie vieles, das diffuse Ängste weckt, stecken wenig Fakten dahinter. Erster Teil der SCHALKE UNSER-Reihe über die Diskussionskultur vor der Jahreshauptversammlung.

  • Besonders beliebt: Clemens habe viel Geld im Verein stecken und wenn er nicht wiedergewählt wird, zieht er es. Das ist schon deshalb eine Argumentation, die zurückschlagen kann, weil ein Kredit ohne Laufzeit und sonstige klare Bedingungen ein Fall für die Finanzbehörden wäre. Selbst wenn Clemens Geld im Verein steckte – und das tut er nicht, wie er selbst eingeräumt hat -, würde dieses Geschäft auch weiter ordnungsgemäß zu Ende geführt.
  • Die neueste Variante: Ohne Clemens wäre Gazprom weg, durch eine unvorsichtige Äußerung auf der S04-Homepage selbst in die Welt gesetzt und danach rasch dementiert (in der Fassung nicht mehr online). Vielleicht ist nach dem Sturm in den sozialen Medien jemanden aufgefallen, dass Schalker sich nicht gerne erpressen lassen. Das Ganze gibt es auch in der Variante eines Peters-Interviews. Was davon zu halten ist, mag sich jeder selbst denken: Man darf öffentlich nicht Schlechtes über seinen Chef sagen, sonst fliegt man. Und die Kündigung verhindert kein Betriebsrat.

(Hier geht es zu Teil 2 und Teil 3 der Serie)

Hinweis
Aufgrund der positiven Resonanz noch einmal der Hinweis, dass jeder Schalker die Möglichkeit hat Texte an folgende E-Mail Adresse zu senden: info@schalkermarkt.de